Gesprächs- und Streitkultur in der Gruppe
5 Menschen – 7 Meinungen – 1 Linienrichter
Es kommt in jeder Gruppe vor, dass Teilnehmer unterschiedlicher
Meinung sind, auch beim SiS – Team.
Menschen mit unterschiedlichen Temperamenten treffen aufeinander.
Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen treffen aufeinander.
Menschen in unterschiedlichen Herausforderungen treffen aufeinander.
Menschen mit unterschiedlichem mentalem „Zustand“ treffen aufeinander.
Und die Mitglieder einer Gruppe haben zudem auch
unterschiedliche Erwartungen an die Gruppe, auch beim SiS – Team.
Jeder bringt seine eigenen Ängste und Hoffnungen mit.
Jeder hat seine eigene Leidens-Geschichte.
Jeder hat seine eigene Sicht der Dinge.
Es ist schier unvermeidlich, dass manchmal Streit entsteht.
Das Vorkommen von Streit ist aber kein Zeichen für eine schlechte Gruppe.Im Gegenteil:
eine lebendige Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass es eine gute
Streit-Kultur gibt.
Das bedeutet:
Man darf unterschiedlicher Meinung sein.
Es darf gestritten werden.
Aber man sollte möglichst fair bleiben und den anderen nicht verletzen.
Nach dem Streit sollte wieder ein Miteinander möglich sein.
Wichtig: Manchmal gibt es keine Einigung.
Aber man kann auch ohne Einigung fair miteinander umgehen
Check-Liste für mich selbst als Teilnehmer
einer Selbsthilfe-Gruppe
Ich selbst kann als Gruppen-Teilnehmer viel dazu beitragen, dass die
Gespräche in der Gruppe gelingen.
Beantwortet die nachfolgenden Fragen ehrlich für euch selbst.
Wir können diese Fragen auch gerne zum Inhalt einer Gruppen-Stunde
machen.
1. Drücke ich mich verständlich aus? Komme ich auf den Punkt?
Rede ich um den „heißen Brei“ herum? Benutze ich viele
Fremdworte? Bin ich ein Dauer-Redner? Oder bin ich ein
Schweiger und die anderen wissen nichts über mich?
2. Höre ich den anderen aufmerksam zu? Oder bin ich immer nur mit
mir selbst beschäftigt? Überlege ich schon, was ich gleich sagen
könnte während einer spricht?
Bin ich mit meinen Gedanken woanders, wenn einer spricht? Gebe
ich dem Redner Zeichen, dass ich zuhöre (schaue ich ihn an, nicke
ich ihm zu?). Führe ich Seiten-Gespräche? Was mache ich, wenn
jemand ein Seiten-Gespräch mit mir beginnt?
3. Habe ich den anderen richtig verstanden? Erinnert euch an die Themenabende der Therapie, insbesondere zum Thema Kommunikation. Höre ich, was der andere gesagt hat? Oder höre ich nur, was ich hören wollte? Wie verhindere ich es den anderen falsch zu verstehen?
Frage ich nach? Fasse ich das Gehörte zusammen
(Hab ich richtig verstanden, dass Du….?)
4. Beachte ich meine Körper-Sprache? Beachte ich die
Körper-Sprache der anderen? Kann ich die Gesichter und die
Körper-Haltung von Menschen lesen? Weiß ich ohne Worte, wie
sich mein Gegenüber fühlt? Können andere an mir erkennen, was
mit mir los ist?
Was mache ich, wenn ich mich unwohl fühle? Tut mein Körper
etwas, wenn er sich langweilt? Wie sitze ich in der Gruppe? Wen
schaue ich an? Wo sitze ich? Verändere ich meine Position?
5. Kann ich Wahrnehmung von Gedanken-Lesen trennen?
Wie gewinne ich einen Eindruck von meinem Gegenüber? Sind es Vorurteile, Klischees die mich leiten oder gerade gehörtes, eben gesehenes und unmittelbar „gespürtes“?
6. Überlege ich, was meine Worte beim anderen auslösen?
Ich weiß oft im Voraus, was meine Worte beim anderen auslösen.
Ist das, was ich sagen will, so wichtig?
Muss ich es sagen? Obwohl ich weiß, dass es für Person A nicht angenehm sein wird?
7. Spreche ich offen? Habe ich Vertrauen zu den anderen? Darf ich
mich darauf verlassen, dass keine Information die Gruppe
verlässt? Bin ich sicher nicht ausgelacht zu werden? Kann ich mich
überhaupt öffnen? Darf ich schweigen? Wieviel Offenheit ist okay
für mich? Komme ich mit der Offenheit der anderen klar?
8. Bin ich echt?
Zeige ich mich in der Gruppe, wie ich bin? Oder spiele ich hier eine
Rolle? Weiß ich überhaupt wie ich wirklich bin?
9. Kann ich Kritik aushalten? Was macht es mit mir, wenn mich
jemand kritisiert? Wer darf mich kritisieren? Werde ich zu Unrecht
kritisiert? Verliert jemand meine Freundschaft, der mich kritisiert?
10. Bin ich bereit mich zu verändern? Wie kann sich mein Leben überhaupt
verbessern, wenn alles so bleiben soll wie es ist? Bin ich jemand,
der zwar jammert, aber nichts tut? Machen mir Veränderungen
Angst? Übe ich mich in Selbstreflektion und Selbstkritik?
11. Erkenne ich die Regeln der Gruppe an? Kenne ich die Regeln
überhaupt? Hat die Gruppe Regeln? Will ich Regeln der Gruppe
verändern
Check-Liste fürs Gruppen-Klima
- Können wir über alles reden, Oder gibt es Tabus?
- Gibt es offensichtlich Spannungen zwischen Teilnehmern?
- Ist die Selbsthilfe-Gruppe gut für mich?
- Wollen wir alle das Gleiche?
- Was ist unser Ziel?
- Haben wir genug Zeit?
- Treffen wir uns zu oft?
- Halten wir unsere Regeln ein?
- Unterstützen wir uns gegenseitig?
- Gibt es Konkurrenz unter Gruppen-Mitgliedern?
- Geben wir den anderen eine Rückmeldung (Feedback)?
- Begegnen wir den anderen mit Wertschätzung?
- Gibt es genug Raum für Fragen und Probleme aller Mitglieder?
- Gibt es auch Raum für Spontanes und Frohes?
- Fühlen wir uns in der Selbsthilfe-Gruppe wohl?
- Fühlt sich jeder für die Gruppe verantwortlich?
- Ist jeder in der Gruppe gleich viel wert?
- Sprechen wir in „Ich“-Botschaften?
- Vermeiden wir Ratschläge?
- Wenn wir Kritik üben: Kritisieren wir den Sachverhalt/ Verhalten
oder die Person? - Sind wir ehrlich miteinander
Status der Agenda vom 15. Juli 2021:

Status Grün: Angesprochen
Status Weiß: Offen
